Die 1920er Jahre waren für den sowjetischen Künstler El Lissitzky (1890–1941), einen führenden Vertreter der russischen Avantgarde, eine wichtige Phase. 1919–1920 unterrichtete er an der Kunstschule in Witebsk, die damals von ihrem Gründer Marc Chagall (1887–1985) geleitet wurde. Die Begegnung mit seinem Kollegen Kasimir Malewitsch (1879–1935), dessen suprematistische Theorien er ein paar Jahre später ins Deutscheübersetzen würde, war ausschlaggebend für seine Hinwendung zur abstrakten Kunst. 1924–1925, während seines Kuraufenthalts in Locarno und Ambrì, beschäftigte er sich intensiv mit künstlerischen Experimenten und schöpferischer Arbeit. Hier entstanden einige seiner bekanntesten Werke: das berühmte Selbstporträt (Der Konstrukteur), zahlreiche Werbeanzeigen für die Schreibwaren Pelikan sowie visionäre Architekturprojektewie die Lenin-Tribüne und der Wolkenbügel, der ein städtebauliches Konzept mit dem eines Wolkenkratzers vereint. Darüber hinaus veröffentlichte er zusammen mit Hans Arp (1886–1966) Die Kunstismen 1924-1914, ein Buch, das einen neuen Überblick über die europäischen Avantgarden bot und sich als Meilenstein der Kunstgeschichte etablierte. In seinen Werken verband Lissitzky Kunst, Architektur und Grafik design und übernahm damit eine wegweisende und innovative Rolle.
Hundert Jahre nach seinem Aufenthalt in der Schweiz bietet die Ausstellung einen Einblick in das kreative Universum des Künstlers und präsentiert dessen vielfältige Facetten. Von der Grafik über Architektur, Buchkunst, Typografie, Kunsttheorie und Essayistik offenbart der Rundgang die Transdisziplinarität von Lissitzky und sein Streben nach einem ganzheitlichen Kunstverständnis.
Mit einer von der Graphischen Sammlung ETH Zürich kuratierten Sektion, die den dauerhaften Einfluss Lissitzkys auf Schweizer Künstler dokumentiert.
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